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Privatpatienten, Selbstzahler, IGeL: Der praktische Guide für Psychotherapiepraxen

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Ein Psychotherapeut behandelt eine Privatpatientin.

Einleitung

Wer dieser Tage eine psychotherapeutische Praxis führt, kennt das Gefühl: Die Nachfrage steigt, die Vergütung sinkt, und die Frage nach dem „Wie“ wird lauter.

Die gesundheitspolitischen Entwicklungen der letzten Monate lassen kaum eine andere Wahl, als die eigene Praxisstruktur neu zu überdenken. Das moralische Dilemma, das viele dabei begleitet, ist real und verständlich. Wir haben es in einem eigenen Beitrag eingeordnet.

Dieser Artikel geht einen Schritt weiter. Er richtet sich an alle, die sich entschieden haben zu handeln, aber noch nicht genau wissen, wie. Was bedeutet es konkret, PKV-Versicherte abzurechnen? Wer sind Selbstzahler:innen, und was brauche ich, um sie aufzunehmen? Welche Leistungen lassen sich als IGeL anbieten, und was muss dabei geregelt sein?

Genau das schauen wir uns in diesem Beitrag an.

Was gerade passiert: Die Lage auf den Punkt gebracht.

Die Vergütungssituation für psychotherapeutische Praxen hat sich in den letzten Monaten spürbar verändert, und weitere Veränderungen stehen bevor. Geplante Anpassungen in der Honorierung und Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen stellen viele Praxen vor die Frage, wie sie ihren Betrieb langfristig wirtschaftlich stabil halten können.

Die genauen Auswirkungen sind noch nicht abschließend geklärt, und doch spüren viele Praxen die Unsicherheit bereits heute. Was sich schon abzeichnet: Die Frage nach der eigenen Patientenstruktur stellt sich neu, und mit ihr die Frage, welche Möglichkeiten es jenseits der GKV-Versorgung gibt.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet Orientierung, ersetzt aber keine rechtliche oder vertragsärztliche Beratung. Für konkrete Fragen zur eigenen Praxissituation ist die zuständige Kassenärztliche Vereinigung die richtige Anlaufstelle.

Das Dilemma: Wenn der Kassensitz nicht mehr trägt

Wer einen Kassensitz hat, hat sich in der Regel bewusst dafür entschieden. Er ist für viele mehr als ein Abrechnungsweg, er ist Ausdruck einer Haltung: Menschen zu versorgen, die Hilfe brauchen, unabhängig davon, wie ihre Krankenversicherungskarte aussieht.

Umso schwerer wiegt es, jetzt umdenken zu müssen.

Und doch: Wer wirtschaftlich unter Druck gerät, kann langfristig schlechter versorgen, nicht besser. Sich neu aufzustellen ist kein Verrat am eigenen Berufsethos, sondern eine Reaktion auf ein System, das Psychotherapeut:innen gerade in eine schwierige Lage bringt.

Was konkret möglich ist und wie es in der Praxis funktioniert, darum geht es jetzt.

PKV, Selbstzahler, IGeL: Die drei Wege im Überblick

Bevor es ins Detail geht, eine kurze Einordnung: PKV-Versicherte, Selbstzahler:innen und IGeL-Leistungen werden oft in einem Atemzug genannt, funktionieren aber unterschiedlich. Wer die drei Wege kennt, kann besser einschätzen, was zur eigenen Praxis passt.

PKV-Versicherte behandeln und abrechnen

Wer approbiert ist und einen Kassensitz hat, kann PKV-Versicherte oberhalb des Versorgungsauftrags behandeln, ohne gesonderte Zulassung. Die Abrechnung läuft direkt über die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die Rechnung geht an die Patient:innen, die sie bei ihrer Versicherung einreichen.

Der Stundensatz richtet sich nach der GOÄ und dem jeweiligen Steigerungsfaktor. Der genaue Betrag hängt dabei von zwei Faktoren ab: der gewählten psychotherapeutischen Methode, da den Verfahren unterschiedliche Punktzahlen zugeordnet sind, und dem angesetzten Steigerungsfaktor. Beim 2,3-fachen Regelsatz liegt eine 50-minütige Einzelsitzung je nach Verfahren in der Regel zwischen etwa 90 und 100 Euro, in begründeten Fällen ist ein höherer Faktor möglich. Für die genaue Abrechnung empfiehlt sich eine Rücksprache mit der zuständigen KV oder einem auf Heilberufe spezialisierten Steuerberater.

Was in der Praxis eher die Frage ist: Wie viele PKV-Slots sind realistisch, und wie kommen PKV-Versicherte überhaupt zu mir? Wer seine Kapazitäten auf der eigenen Praxiswebsite sichtbar macht, kann gezielt von einer Gruppe erreicht werden, die aktiv nach genau diesem Angebot sucht.

Selbstzahler:innen: Therapie ohne Kassenbeteiligung

Selbstzahler:innen sind Personen, die ihre Therapie vollständig aus eigener Tasche bezahlen, unabhängig davon, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: manche möchten keine Diagnose in ihrer Krankenakte, andere suchen gezielt Themen, die die Kasse nicht übernimmt, wieder andere wollen einfach schnell einen Termin ohne lange Wartezeit.

Die Abrechnung ist unkompliziert: Es gibt keine Genehmigungspflicht, keine Gutachterverfahren, keine Antragsformulare. Honorar und Umfang werden direkt zwischen Psychotherapeut:in und Patient:in vereinbart, schriftlich, in Form einer Honorarvereinbarung. Diese muss vor der ersten Sitzung unterzeichnet werden und sollte mindestens folgende Punkte enthalten: den vereinbarten Stundensatz, den Umfang der Leistung, die Zahlungsmodalitäten sowie einen Hinweis darauf, dass die Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

IGeL-Leistungen: Was Psychotherapeut:innen anbieten können

IGeL, also individuelle Gesundheitsleistungen, sind Leistungen, die nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten sind und deshalb privat bezahlt werden. In der Psychotherapie ist das ein Bereich, der oft unterschätzt wird, weil viele nicht genau wissen, was hier erlaubt ist und was nicht.

Die entscheidende Abgrenzung: IGeL-Leistungen dürfen keine Kassenleistungen ersetzen, sie ergänzen sie. Konkret bedeutet das, dass Leistungen, die die GKV übernehmen würde, nicht einfach als IGeL abgerechnet werden dürfen. Was genau als IGeL in der eigenen Praxis angeboten werden kann, hängt vom Einzelfall ab und sollte im Zweifel mit der zuständigen KV oder dem Berufsverband abgestimmt werden.

Auch hier gilt: Eine schriftliche Vereinbarung vor der ersten Sitzung ist Pflicht. Die Patient:innen müssen über die Kosten informiert werden und der Leistung ausdrücklich zustimmen.

Praktische Schritte: Wie Sie Ihre Praxis neu aufstellen

Der Entschluss, PKV-Versicherte, Selbstzahler:innen oder IGeL-Leistungen anzunehmen, ist der erste Schritt. Was danach kommt, ist vor allem eine Frage der Struktur.

Kapazitäten realistisch einschätzen

Bevor neue Patientengruppen aufgenommen werden, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Praxissituation. Wie viele Stunden pro Woche sind aktuell durch den Versorgungsauftrag gebunden? Wo gibt es tatsächlich Spielraum, ohne den bestehenden Patientenstamm zu belasten? Auch kurzfristig abgesagte Termine, die regelmäßig unbesetzt bleiben, können ein Hinweis sein.

Sichtbarkeit anpassen

PKV-Versicherte und Selbstzahler:innen aktiv zu gewinnen, ist eine eigene Aufgabe, die mit anderen Herausforderungen einhergeht als die GKV-Versorgung. Der Markt ist oft bereits besetzt, andere Praxen sind etabliert, und allein ein Hinweis auf der Website reicht in der Regel nicht aus.

Was es braucht, ist eine bewusste Außendarstellung: Wer die eigene Praxis für PKV-Versicherte und Selbstzahler:innen öffnet, sollte das aktiv kommunizieren, auf der Website, im Netzwerk und in der Außenwirkung insgesamt. Kolleg:innen, die selbst keine Kapazitäten mehr haben, können Anfragen weiterverweisen. Auch Hausärzt:innen oder andere niedergelassene Ärzt:innen in der Region sind eine sinnvolle Anlaufstelle.

Dabei gelten klare Regeln, was erlaubt ist und was nicht:

Erlaubt:

  • Sachliche Informationen auf der Website, zum Beispiel dass Kapazitäten für PKV-Versicherte oder Selbstzahler:innen bestehen
  • Hinweise auf Qualifikationen, Spezialisierungen und das eigene Angebot
  • Netzwerkpflege und kollegiale Weiterempfehlungen

Nicht erlaubt:

  • GKV-Versicherte aktiv dazu drängen oder überreden, als Selbstzahler:innen zu zahlen, obwohl ein Kassenanspruch besteht
  • Anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung
  • Heilsversprechen oder Garantien für Behandlungserfolge
  • Rabatte auf therapeutische Leistungen

Psychotherapeut:innen unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz und der Berufsordnung der jeweiligen Landeskammer. Was im Einzelfall konkret gilt, lässt sich bei der zuständigen Landeskammer erfragen.

Unterlagen vorbereiten

Eine Honorarvereinbarung für Selbstzahler:innen und eine IGeL-Vereinbarung sollten einmalig sauber aufgesetzt und dann standardmäßig verwendet werden. Das spart Zeit und schafft von Anfang an klare Verhältnisse.

Anfragen strukturiert organisieren

Mit neuen Patientengruppen kommen auch neue Anfragen, oft über andere Kanäle und mit anderen Erwartungen als bei GKV-Versicherten. Wer hier von Anfang an klare Abläufe schafft, spart sich später viel Aufwand. Systeme für das Patientenmanagement wie Lucoyo helfen dabei, Anfragen strukturiert zu erfassen, zu organisieren und den Überblick zu behalten, auch wenn die Praxis breiter aufgestellt wird.

Damit Sie direkt loslegen können, haben wir eine Checkliste für die erste Selbstzahler:innen-Sitzung sowie konkrete Tipps zur Gewinnung von PKV-Versicherten und Selbstzahler:innen als kostenlosen Download zusammengestellt.

Was viele unterschätzen: Abläufe und Organisation

Mehr Patientengruppen bedeuten mehr Vielfalt, aber auch mehr Komplexität im Alltag. PKV-Versicherte, Selbstzahler:innen und IGeL-Anfragen folgen anderen Abläufen als die gewohnte GKV-Versorgung. Andere Abrechnungswege, andere Kommunikationserwartungen, andere Verwaltungsschritte.

Das ist kein Grund, es nicht zu tun. Aber es lohnt sich, die eigenen Abläufe frühzeitig daran anzupassen, bevor der Mehraufwand spürbar wird.

Viele Praxen unterschätzen, wie viel Zeit neben den Sitzungen in organisatorische Aufgaben fließt, Anfragen beantworten, Wartelisten pflegen, Termine koordinieren. Wer seine Praxis jetzt neu aufstellt, hat die Chance, diese Abläufe von Anfang an sauber zu strukturieren, statt sie später mühsam nachzurüsten.

Praxen, die das gut lösen, haben eines gemeinsam: Sie trennen klar zwischen therapeutischer Arbeit und organisatorischen Aufgaben. Anfragen laufen über einen definierten Kanal, Patientendaten sind strukturiert erfasst, und der Überblick über Kapazitäten und Wartelisten ist jederzeit da. Was früher viel manuelle Arbeit bedeutete, lässt sich heute mit dem richtigen System deutlich effizienter gestalten.

Lucoyo ist speziell für psychotherapeutische Praxen entwickelt worden und unterstützt genau dabei, diese Abläufe zu strukturieren, ohne zusätzliche Komplexität in den Praxisalltag zu bringen. Über Lucoyo laufen Anfragen von GKV-Versicherten, PKV-Versicherten und Selbstzahler:innen strukturiert in einem System zusammen. Dabei geben Patient:innen beim Erstkontakt direkt an, über welchen Kostenträger sie behandelt werden möchten, sodass die Praxis von Anfang an den Überblick behält und keine Zeit mit Nachfragen verliert.

Denn am Ende gilt: Je reibungsloser die Organisation läuft, desto mehr Kapazität bleibt für das Wesentliche: die therapeutische Arbeit.

Lucoyo’s Budgetierungs-Rechner

Wie viel Honorar fehlt Ihrer Praxis, wenn die Budgetierung greift? Der Lucoyo-Budgetierungsrechner beantwortet das in wenigen Minuten. Er zeigt außerdem, mit wie vielen Privat- oder Selbstzahlerstunden Sie die Lücke schließen könnten und wo Sie am Ende stehen.

Spielen Sie verschiedene Szenarien durch: eine andere Grenze, einen anderen Stundenpreis oder mehr Privatstunden. So bekommen Sie eine konkrete Zahl, mit der Sie planen können.

Der Rechner ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Ihre Eingaben bleiben in Ihrem Browser und werden weder gespeichert noch übertragen.

Fazit

Die gesundheitspolitische Lage ist unsicher, vieles ist noch offen. Was Praxen jetzt tun können, ist die eigene Situation ehrlich einzuschätzen und den Spielraum zu nutzen, der bereits heute besteht.

PKV-Patienten, Selbstzahler:innen und IGeL-Leistungen sind keine Notlösung und kein Widerspruch zum eigenen Anspruch. Sie sind eine Möglichkeit, die Praxis breiter aufzustellen, ohne den Versorgungsauftrag zu vernachlässigen. Viele Praxen handhaben das bereits so.

Der Einstieg ist mit Aufwand verbunden, neue Abläufe, neue Unterlagen, ein neues Stück Praxisorganisation. Wer das einmal aufgesetzt hat, gewinnt Spielraum, der unabhängig davon trägt, wie sich die Vergütungslage weiterentwickelt.

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